Mach dich 

locker!

Perfekt sein? Funktioniert nicht!

Hohe Ansprüche an sich selbst sind oft der beste Nährboden für Stress. Wie du dich vom ständigen Leistungsdruck befreist und warum du mit Gelassenheit oft mehr erreichst.

Schneller, besser, mehr – so lautete das Mantra einer ganzen Epoche. Längst ist klar: Es hat ausgedient. In vielen Bereichen unserer Leistungs- und Konsumgesellschaft ist die Grenze erreicht. Im Großen wie im Kleinen. Im Großen wissen wir, dass ungebremstes Wachstum und die Ausbeutung der Ressourcen zum ökologischen Kollaps führen. Im Kleinen, dass auch unsere ganz persönlichen Ressourcen – Zeit, Kraft, Aufmerksamkeit – nicht unbegrenzt zur Verfügung stehen und Schutzzonen brauchen. Zeiträume, die frei sind von Termindruck, Erwartungen, Ergebnissen.

Schneller, besser, ausgelaugt

Stress gehört zur Leistungsgesellschaft wie der Deckel zum Topf. Er entsteht durch den Anspruch, allen Erwartungen gerecht zu werden, ständig alles mitzubekommen und unentwegt an alles denken zu müssen. Viele glauben, sie müssten immer 150 Prozent leisten. Nicht nur im Job. Auch in der Freizeit sind sie bemüht, Fitness, Aussehen, Wohnung, Familie oder irgendwelche Fertigkeiten zu optimieren und legen dabei hohe Maßstäbe an. Das artet schnell in Belastung aus und schafft eine permanente innere Unruhe, denn es ist nie genug.

Die meisten Menschen kennen das Gefühl von Unzulänglichkeit und Unzufriedenheit, weil sie eigenen und fremden Erwartungen ständig hinterherhinken, sich über lange Zeit zu viel zumuten oder etwas nicht so funktioniert, wie sie es sich vorstellen. Es erzeugt Stress und Anspannung. Innere Unruhe, Gereiztheit, Ein- und Durchschlafstörungen, Verspannungen und depressive Verstimmungen sind häufige Begleiterscheinungen eines überforderten Stressregulierungssystems.

Perfektionismus adé

Keine Frage: Man will die Dinge richtig machen. Am besten sogar richtig gut. Warum nicht gleich perfekt? Zwei Probleme dabei: Es ist unmöglich, das alles zu schaffen. Und: Selbstoptimierung wird schnell zur Selbstausbeutung. Sie geht auf Kosten der Lebensfreude und der Gesundheit.

Wie schaffen wir den Ausstieg aus dem Optimierungswahn? Wie bleiben wir ruhig in all dem Trubel? Zunächst indem wir unseren Perfektionismus herunterschrauben, die Erwartungen und Anforderungen an uns selbst reduzieren und uns eine gute Portion Freiheit erlauben.

Tempo raus, das Leben nicht als Wettrennen sehen, auch mal alle Fünfe gerade sein lassen: Wir sind nicht dafür da, in Dauerschleife Dinge zu erledigen. Schon gar nicht perfekt. Wer sich an manchen Stellen mit Unvollkommenheit zufriedengibt, lebt wesentlich entspannter. Das bedeutet übrigens nicht, jeglichen Ehrgeiz über Bord zu werfen. Aber mit der Methode der kleinen Schritte kommt man oft schneller ans Ziel, als mit zu hochgesteckten Erwartungen.

Freiräume schaffen: Das Pareto-Prinzip

Du brauchst deinen Perfektionismus nicht, um Ziele zu erreichen. Er frisst nur Zeit und Energie. Und er vernebelt die Sicht auf die Dinge, die wirklich wichtig sind.

Das auf Studien begründete Pareto-Prinzip besagt: Gewöhnlich bringen nur 20 Prozent des Aufwandes 80 Prozent des Ergebnisses. Jede Anstrengung darüber hinaus führt zu kleineren Erträgen und nimmt mehr Zeit in Anspruch. Für ein 100-Prozent-Ergebnis brauchen wir unendlich lange. Perfektionismus „erkaufst“ du also mit sehr viel kostbarer Lebenszeit.

Frage dich daher diese Dinge
sehr genau:


Wo möchtest du deine Zeit und Kraft hineinstecken?

Priorisiere sinnvolle und wichtige Themen.
Höre dabei auch auf dich selbst und entscheide welche Aufgaben du lieber abgeben möchtest.

Was kannst du dafür weglassen bzw. mit geringem Aufwand erledigen?

Es ist sinnvoll auch einmal Abstriche zu machen. Nicht alles ist wichtig und manche Dinge kannst du getrost durch andere ersetzen.

Wo reicht ein gutes, statt ein perfektes Ergebnis für einen Bruchteil des Aufwandes?

Ein perfektes Ergebnis scheint oft erstrebenswert, ist aber nicht immer sinnvoll. Wäge ab, ob das Ergebnis den Mehraufwand rechtfertigt.

Loslassen

Das Gegenteil von Unruhe, Aufgeregtheit, Nervosität und Stress ist Gelassenheit. Um Missverständnisse vorzubeugen: Gelassenheit heißt nicht, dass einem alles egal ist. Aber es hat viel mit Loslassen zu tun, Dinge einfach sein lassen, einen Schritt zurücktreten und das eigene Chaos mit Humor nehmen. Das verändert schon viel. Es lässt einen milder werden, wenn mal wieder etwas nicht so läuft wie geplant. Und das tut es schließlich fast nie.

Zugegeben: Gelassenheit ist ein hohes Ideal. Es wird nicht immer gelingen, die Dinge mit dem nötigen Abstand zu sehen, ruhig zu bleiben im stressigen Alltag, mit Humor auf nervige Umstände oder Zeitgenossen zu reagieren, sich in Konflikten nicht provozieren zu lassen. Doch in vielen Situationen haben wir tatsächlich die Wahl: Wir können auf eine Weise reagieren, die zu Stress führt. Oder wir können locker lassen.

Überleg mal:

  • Worüber hast du heute schon gelacht?
  • Womit kannst du dir den Tag verschönern?
  • Wo kannst du dir mehr Muße gönnen?
  • Wo kannst du dir mehr Freiräume einrichten?
  • Wie kannst du mit deinen Fehlern und Schwächen anders umgehen?

Länger schlafen, gut essen, die Seele baumeln lassen. Wer sich auf diese Weise Stück für Stück seinen wirklichen Bedürfnissen nähert, ist vielleicht nicht immer perfekt, aber unvergleichlich glücklicher.

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